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22.10.2019, 15:01 Uhr | R.King
Senioren-Union im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil
Wolfgang Vater verband die theologisch-sakrale Bedeutung mit zeitgeschichtlichem und politischem Geschehen
„Dies ist ein Gotteshaus und kein Museum.“ Dies stellte Wolfgang Vater bei der Führung durch das Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil gleich einmal klar.
Wolfgang Vater (links) verband die Geschichte und die Bedeutung des Heilig-Kreuz-Münsters auf beeindruckende Art mit der Rottweiler Geschichte und dem politischen Zeitgeschehen der zurückliegenden Jahrhunderte.
Rottweil -

Wenn es nicht von vornherein allen Teilnehmern bei dieser ganz besonderen Veranstaltung der CDU-Senioren-Union bewusst gewesen wäre, dann hätten die einzigartige sakrale Atmosphäre und die sehr feinfühlig und fundiert vorgetragenen Erläuterungen durch den profunden Kenner Wolfgang Vater dies mehr als deutlich gemacht.

Er verstand es, sein umfassendes Wissen dieser Kirche durch die zahlreichen Hinweise auch „auf Dinge, die man nicht so oft sieht“, die man als Laie eher übersieht, und mit seiner Schilderung aller vertretenen Stilepochen allen Beteiligten so nahezubringen, dass die atemlose Stille und das Staunen fast zwangsläufig war. Vor allem verstand es Wolfgang Vater glänzend, die Geschichte des Münsters (im Jahre 1950 war die Kirche von Bischof Carl Josef Leiprecht, dem früheren Stadtpfarrer von Heilig Kreuz und damals seit einem Jahr Oberhirte des Bistums) in Zusammenhang zu bringen mit der Rottweiler Geschichte und den politischen Gegebenheiten der verschiedenen guten wie auch schwierigen Zeiten. Kultur- und Zeitgeschichte, religiöses Leben, die Bewunderung über das so gut erhaltene einzigartige Ensemble der Glasfenster und politisch brisante Bezüge gingen auf eine beeindruckende Art und Weise ineinander über.

Wenn ganz hinten in der Kirche, nahezu versteckt, die Figur des heiligen Josef Maria und das Kind schützt – eine ganz ungewöhnliche erscheinende Holzplastik  -, dann konnte Wolfgang Vater auch diese überraschende Darstellung aus der damaligen Zeit  deuten: die Nationalsozialisten wollten den 1. Mai als Tag des deutschen Arbeiters begehen. Der Künstler, Otto Kopp, in Rottweil und Schramberg zu Hause, schuf dieses Werk, um damit Josef als den Schutzherrn der Arbeiter dem NS-Gedankengut entgegenzusetzen. Wie auch der Blick nach oben zum Netzgewölbe als dem „Stein gewordenen Himmel“ und viele weitere Details eine Teilnehmerin wohl stellvertretend für viele es so ausdrückte: „Ich bin ja oft in dieser Kirche. Aber so vieles habe ich nicht gewusst und sehe es nun mit anderen Augen.“

So blieb dem Kreisvorsitzenden der Senioren-Union nur noch, seinem Vorstandsmitglied Wolfgang Vater für die Führung zu danken, mit der die gut 40 Teilnehmer eintauchen konnten in mehrere Jahrhundert Zeit- und Sakralgeschichte in Rottweil. Bis hin zu der vor zwei Jahren abgeschlossenen letzten großen Renovierung des Heilig-Kreuz-Münsters.

Eindrücke, die blieben und die auch beim anschließenden Frühschoppen in der Gaststätte „Zur Hochbrücke“ weiter vertieft wurden.